Auch heute erreicht uns wieder ein Leserbrief:
Danke Eva Schnell

Ein irreführender Slogan

„Rettet die Ten-Brink-Realschule und die Ten-Brink-Werkrealschule“ – so lautet das Ziel der Bürgerinitiative gegen die GMS. Der erste Teil des Satzes ist ehrlich; man will die Trennung beider Schulformen und meint vor allem eine von „schlechten“ Schülern freie Realschule. Der zweite Teil des Slogans (und rettet die Werkrealschule) ist nur ein nachträglich angebrachtes Feigenblättchen. Die Initiatoren erträumen die Wiederherstellung des selektierenden Schulsystems. Wenn sie es nicht bundes- oder landesweit erreichen, dann wollen sie es wenigstens hier vor Ort.

Doch: Die hiesige Werkrealschule ist nicht zu retten, wenn alles so bleibt, wie es ist. Die Entwicklung der Schülerzahlen ist wegen des Wegfalls der verbindlichen Grundschulempfehlung kaum vorhersagbar. Die Anmeldungen zur Werkrealschule bewegen sich in Rielasingen-Worblingen seit einigen Jahren am Limit, mal weit unter, mal etwas über der erforderlichen Zahl von 16 Kindern. Wird diese Richtzahl mehrmals verfehlt, droht die Schließung der Werkrealschule an der Ten-Brink-Schule.

Was passiert mit den Rielasinger Werkrealschülern, die z.B. nach Singen wechseln?

Wenn sie Glück haben, kommen sie dort in einer GMS unter. Denn inzwischen hat sich das Rad der Schulentwicklung weiter gedreht: es gibt bereits Überlegungen, in Singen-Süd in eine GMS einzurichten. Wie das Beispiel Beethovenschule und der Standort Radolfzell zeigen, geht das sehr schnell, wenn es keine Verzögerung durch verspätete Debatten und für drei Jahre bindende Bürgerentscheide gibt. Eine Sperrfrist von drei Jahren ist angesichts der sich rapide wandelnden Schullandschaft höchst fatal. Weitere GMS in Singen und in umliegenden Gemeinden blieben nicht ohne Auswirkungen für die „gerettete“ TBS-Realschule. Sie könnte zunehmend Schüler verlieren, weil der Wunsch der Eltern nach einer GMS rapide wächst. Es ist nicht auszuschließen, dass die TBS-Realschule dann gegen Schrumpfung durch Schülerabwanderung kämpfen muss.

Man überlege sich auch die Folgen für den Wohnort und Standort Rielasingen-Worblingen.

Ein gutes Schulangebot ist unabdingbar für den Zuzug junger Familien und natürlich auch für Gewerbebetriebe, also für die Zukunftssicherung einer Gemeinde. Das ist die reale Seite des Geredes der GMS-Gegner von der sogenannten Ökonomisierung des Bildungswesens.

Aber es geht nicht nur um materielle Aspekte. Die GMS ist eine Schulform, die mit einem innovativen, durchdachten und vor allem humanen Konzept auf den demographischen Wandel und die Wünsche von Eltern und Lehrkräften reagiert, die den Auslesedruck vor allem im 3. und 4. Schuljahr nicht mehr ertragen wollen. Der Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung kam zustande durch das Begehren von Eltern und Lehrkräften, die das alte hoheitlich geregelte schulische Selektionssystem als staatliches Verfügen über das eigene Leben und das ihrer Kinder ablehnten. Ohne das Konzept der GMS gäbe es nur Wurstelei mit verstärktem Sitzenbleiben und dem Abschulen von überforderten Kindern.

Im übrigen: Baden-Württemberg ist nicht das erste, sondern das zwölfte Bundesland, in dem es Gemeinschaftsschulen gibt!

Werbeanzeigen