Norman Pietsch schreibt uns zur aktuellen Debatte in Rielasingen-Worblingen:

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„Eine der wichtigsten Fähigkeiten die ein Schüler heute erlernen muss ist das autodidakte Lernen. Diese Fähigkeit wird beim klassischen Frontalunterricht so gut wie gar nicht gefördert oder gefordert. Und eben diese Techniken sind es die heute noch an Universitäten, bei beruflichen Weiterbildungen oder auch in aktuellen Ausbildungsberufen gefordert werden.

Ich habe es während meiner Ausbildungszeit in der Krankenpflege und auch im anschliessenden Studium immer wieder erlebt. Wer nicht gelernt hat zu lernen und dabei seine eigenen Techniken und Fähigkeiten entwickeln konnte um sich dem teilweise abstrakten Wissen anzunähern scheitert oft an solch einfachen Dingen wie dem Selektieren und Verwenden der richtigen Wissensquellen. Zu wissen wo man sich Informationen besorgt und wie diese in einen Zusammenhang zu bringen sind mit dem bereits Gelernten zählt ebenfalls zu den essentiellen Anforderungen im Arbeitsleben heutzutage. Stichwort Theorie-Praxis Transfer. Wissen muss flexibel und auf die Bedürfnisse des Einzelnen abgestimmt angeeignet werden können um sicherzustellen dass die Freude und Neugier am Lernen erhalten bleibt.

Sicherlich ist ein gewisser Grundstock an Wissen nötig um überhaupt wissen zu können was man mal wissen möchte, jedoch kann dies der reine Frontalunterricht heutzutage nicht mehr so bieten. Wer sich z.B. die Einstellungstest von Google oder die sich ändernden Ansprüche in der Ausbildung in der Pflege anschaut der weiß dass sich viel geändert hat und auch noch ändern wird. So ist man heute im bundesweiten Schnitt mit einem Hauptschulabschluss schlecht beraten da selbst die Handwerksbetriebe mittlerweile mittlere Reife fordern.

Und mit Blick auf eben diese sich stetig verändernden Anforderungen, die ein ebenso flexiblen wie zeitgemäßen Umgang mit dem zur Verfügung stehenden Wissen und den damit verbundenen Medien zwingend erfordern muss man sich fragen ob die tradierten und bisher gepflegten Lehrmetoden wirklich noch zeitgemäß sind oder nur noch gefordert werden weil sie eben vertraut sind.

Ich habe es oft erlebt dass diese neuen Lehransätze Zeit benötigen bis sie funktionieren da man von gewohntem Umfeld weg muss und mehr Verantwortung an den Lernenden übergeht. Gleichzeitig jedoch ermöglicht diese Verantwortung dem Lernenden auch später auf ein Ausbildungssystem zu treffen dass an Uni und in den ausbildungsberufen bereits Standard ist. Die Statistik zeigt dass fast 50% der Studenten unter Prokrastination “leiden“ da sie dank des reinen Frontalunterrichts nie gelernt haben zu lernen.“

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