Kennen Sie die STOPP-Regel?  Mit dieser Regel lernen unsere Kinder bereits in den Grundschulen deutlich „NEIN“ zu sagen. Dabei entwickeln sie mehr Sensibilität im Umgang miteinander. Das Kultusministerium strapaziert gerade die Nerven vieler Kinder, Eltern und Lehrkräfte (fernab vom Umgang miteinander) und sorgt somit für Unfrieden und einer starken Verunsicherung. Wir fordern ein ganz  klares STOPP!!!

Das Elternnetzwerk im Verein für Gemeinschaftsschulen in BW ist entsetzt
und findet dafür deutliche Worte. Sehr viele Eltern sind verärgert und auch der Landeselternbeirat erhebt schwere Vorwürfe gegen die grün-schwarze Landesregierung.

 

Mitteilung vom Elternnetzwerk im Verein für Gemeinschaftsschulen in BW:

Übertrittzahlen und Lernentwicklungsberichte

Liebe UnterstützerInnen der Gemeinschaftsschule im Südwesten,

die letzte Woche hat vielen von uns ein Déjà-vue-Erlebnis beschert: Die Übertrittszahlen, welche als angeblicher Beleg herangezogen werden, wie ungymnasial und bildungsfern die Gemeinschaftsschulen aufgestellt wären, wurden gezielt über die Medien gepusht. Wir fragen uns, ob der Zeitpunkt nicht bewusst gewählt ist – schließlich sind die Kinder schon seit Mitte September auf ihre Schulen verteilt. Ganz sicher kollidiert die Bekanntgabe mit den Info-Veranstaltungen und Schulanmeldungen für die neuen Fünftklässler im Land. Und torpediert wieder einmal die gute Arbeit, die an den Gemeinschaftsschulen im Land geleistet wird.

Übertrittzahl-Debatte verärgert Eltern

Gerade seitens der Eltern haben uns zu diesem Thema verärgerte Mails erreicht: Die Mischung der Schülerschaft an den Gemeinschaftsschulen im Land ist ebenso bunt wie die Kinder selbst. Neben Schulen, die aus der Tradition einer Haupt- oder Werkrealschule entstanden sind und die noch im Aufbau sind, weisen andere Standorte einen Antei an E-Niveau-Kindern von deutlich über 20 Prozent auf. Gerade in den höheren Klassen finden nicht selten G8-Enttäuschte an der Gemeinschaftsschule ein neues Zuhause.

In diesem Kontext stellt sich aber noch eine ganz andere Frage: Fängt der Mensch erst beim Abitur an? Ist es richtig, alle jene, die keinen mittleren oder höheren Bildungsabschluss anstreben, abzuwerten? Haben Menschen mit weniger intellektuellem Entwicklungspotenzial oder die eine andere Muttersprache als Deutsch haben, kein Recht darauf, das Beste aus sich heraus zu holen? Wollen wir eine Gesellschaft sein, die ein Drittel der jungen Menschen einfach abschreibt, weil sie nicht das Potenzial haben, aufs Gymnasium zu gehen? Das wäre eine traurige Weltsicht. Unsere Kinder an den Gemeinschaftsschulen machen es uns jeden Tag vor – von ihnen können viele Erwachsene lernen: „Weißt Du Mama, jeder kann etwas anderes, man muss ja nicht unbedingt auf ***Niveau arbeiten“, so die weisen Worte meiner elfjährigen Tochter.

Kann die sofortige Akzeptanz einer neuen Schulart wirklich der Gradmesser für ihre Tauglichkeit sein? Schauen wir nur auf die beruflichen Gymnasien oder dualen Ausbildungsgänge, die sich Ihre Anerkennung mit guter Arbeit über viele Jahre erarbeiten mussten. Entwicklungen in der Bildung brauchen Zeit, bis sie sich stabilisert haben – und dann durchaus sehr wirksam sein können. Wir sind sicher, dass die Gemeinschaftsschule künftig immer mehr Kinder, die gymnasial lernen wollen, anziehen wird. Schon heute führen einige unserer Schulen in der Sek I Wartelisten für Quereinsteiger. Voraussetzung für eine positive Entwicklung ist, dass das Kultusministerium die Schulen nach Kräften unterstützt und gute Bedingungen für deren Entwicklung schafft. Hier haben wir in Baden-Württemberg deutlichen Nachholbedarf.

Und: Was nach wie vor viel zu wenige Menschen im Land wissen, ist die Tatsache, dass wir in Baden-Württemberg die G8-Diskussion mit Einführung der Gemeinschaftsschule letztlich abgeschlossen haben: Bei uns wird ab Klasse 5 gymnasial gelernt – wer das Potenzial hat, kann so im G9 zum Abitur gehen.

Doch statt zu den großen Stärken und Möglichkeiten der Gemeinschaftsschule zu informieren, fokussiert sich das Kultusministerium darauf, unsere Schulen als neue Hauptschulen im Land zu positionieren. Deshalb ist es hier an jedem/r Einzelnen der Gemeinschaftsschul-Community, in der Öffentlichkeit für unsere Schulen zu werben.

Neues Format der Lernentwicklungsberichte wird kontrovers diskutiert
– Bitte um Mithilfe zur Erfassung der Stimmungslage

Ab dieser Woche werden die Lernentwicklungsberichte (LEB) zum Halbjahreswechsel ausgegeben. Für viele Gemeinschaftsschulen bedeutete dies einen Wechsel zum neuen Format, welches das Kultusministerium vorgegeben hat. Gerade für Schulen, die in den letzten Jahren eigene Darstellungsformen zur Entwicklung und Leistung ihrer Schülerinnen und Schüler entwickelt haben, ist das teilweise eine Umstellung. Seitens der Eltern erreichen uns dazu sehr unterschiedliche Stimmen. Schon bald wollen wir uns ein Bild der Gemütslage der Gemeinschaftsschul-Eltern zu den neuen LEB machen. Deshalb eine Bitte: Schauen Sie sich die „Zeugnisse“ Ihrer Kinder genau an. Fragen Sie Ihren Nachwuchs, wie Ihre Kinder die neuen Berichte finden. Vielleicht machen Sie sogar eine Dokumentation via Kopie, Scan oder Handy-Foto?! Wir sammeln gerade Praxisbeispiele von LEB, um uns einen Überblick zu verschaffen. Es wäre toll, wenn Sie diese Arbeit unterstützen würden! Selbstverständlich behandeln wir die Dokumentationen vertraulich – oder Sie schwärzen einfach den Namen Ihres Kindes. Ihre Scans etc. schicken Sie am besten an vielfaltmachtzukunft@gmx.de – dort können Sie sich auch weiterhin in den Verteiler aufnehmen lassen oder den Newsletter abmelden.

Zuguter Letzt der unvermeidliche Hinweis auf den Verein für Gemeinschaftsschulen: Unter http://www.verein-gemeinschaftsschulen-bw.org/ können Sie gerne Mitglied werden. Wir würden uns freuen.

So geht es weiter

Wie immer waren wir auch in den letzten Wochen kräftig für die Gemeinschaftsschule unterwegs. Neben Medienvertretern, BildungspolitikerInnen verschiedener Parteien und der Grünen Landesgeschäftsführung sind wir mit verschiedenen BildungsforscherInnen im Kontakt. Weitere Gespräche mit Bildungsakteuren und der Stuttgarter Landespolitik stehen an. Kommende Woche sind wir auf Einladung der GEW bei einem Treffen der Initiative „Länger gemeinsam Lernen“ mit dabei. Zudem versuchen wir gerade, Partner zu gewinnen, um größere Veranstaltungen zur Stärkung des Bilds der Gemeinschaftsschule in der Öffentlichkeit zu lancieren. Wenn Sie Impulse haben, die Sie uns für unsere Gespräche gerne mitgeben würden, freuen wir uns über eine Mail unter vielfaltmachtzukunft@gmx.de

Wir bleiben weiter am Ball – und bitten Sie, unsere Arbeit zum Wohle unserer Kinder und deren Schulen zu unterstützen!
Es grüßt Sie herzlich
Ulrike Felger

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